3. REISEBERICHT

Von Äthiopien über Kenya nach Uganda, zurück nach Kenya, 7. November bis 12. Dezember 2005

ÄTHIOPIEN
Tatsächlich gibt es zum Zeitpunkt meiner Einreise nach Äthiopien unter Anderem in den Städten Gondar, Bahir Dar und Addis mehrstündige Schiessereien. Oppositionelle Studentenkreise wehren sich gegen eine offensichtliche Wahlfälschung. Noch in den 80-er Jahren hat der Vorgänger des jetzigen Diktators ein ähnliches Problem wie folgt gelöst: Todesschwadronen zogen durch Addis, griffen Verdächtige auf und erschossen sie auf der Stelle. Das kann ja nett werden.

Was ist jetzt die beste Lösung? Nach Port Sudan fahren und Äthiopien umschiffen? Oder versuchen, eine Fahrgenehmigung für den vom Bürgerkrieg total ausgebrannten Südsudan zu beantragen (aussichtslos), versuchen, in den ebenfalls schwerst zerrüttelten Norden Ugandas einzureisen, in das Gebiet der Guerillamilizen und Kindersoldaten? Heimfahren - NIE! Und was ist, wenn sie die Grenze dicht machen? Dann bin ich lieber im Land und kann nach Kenya ausreisen, ich habe ja schließlich eine Verabredung mit Gerdi in Mombasa! Mit einem leicht mulmigen Gefühl im Magen bleibt also die Flucht nach vorne die einzige Alternative. Schließlich wird nichts so heiß gegessen wie gekocht und das Restrisiko soll doch bitte auch seine faire Chance bekommen!

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Um bei eventuell kriminellen Nutznießern der instabilen Lage nicht aufzufallen, entschließe ich mich, nachts einzureisen. Ohne Licht, fast unsichtbar, schalte ich auf Schleichfahrt und rolle zum Immigration Office. Es ist in einer runden Lehmhütte mit Strohdach, von der Decke hängt eine Glühbirne und flackert im Takt des Generators. War der Grenzposten von Metama lt. Reiseberichten nicht einer der verrufensten Schmiergeldabzockergrenzübergänge, einer von der übelsten Sorte? Aus dem Radio klingt solider Rock'n Roll, was nach dem für unsere Ohren ungewohnten, orientalischen Vierteltongedudel der letzten Wochen eine Wohltat ist. Und noch etwas ist ganz anders: es gibt Frauen! Ich meine erstens überhaupt, im Gegensatz zum Islam in der Öffentlichkeit und vor allem nicht verschleiert. Also zur Zollkontrolle, diese hatte lange offene schwarze Haare, ein kurzes, knapp sitzendes hellbraunes Uniformhemd, eng anliegende Khakihose mit breitem Ledergürtel. Schluck! Nachdem das Visum abgestempelt ist, bekomme ich noch einen Zettel in die Hand gedrückt und traue meinen Augen nicht: "Comments and Suggestions". Statt Schmiergeld wollten sie wissen, ob ich mit den Service zufrieden war!

Bier ist in Äthiopien kühl und problemlos erhältlich. Ich muss sagen, es hat an diesem Abend sehr gut getan.

Die Fahrt geht ins Hochland. Seit Wochen sind wieder mal Wolken am Himmel, und ich genieße diese frische kühle Bergluft, die nach dem satten Grün der Wiesen duftet. Manchmal lacht einem ein Mädchen direkt ins Herz hinein, während es am Straßenrand steht und winkt. 

Relativ spät entdecke ich, dass 1) aufgrund eines Druckfehlers auf der ITM-Karte die Distanz zur Distrikthauptstadt Gondar 100 km zu kurz angegeben war und 2) Benzin in Äthiopien nur in großen Städten erhältlich ist. Zweiteres liegt am kaum vorhandenen Individualverkehr und Ersteres nötigt mich zu meinem ersten Benzinkauf am Schwarzmarkt, handgeschöpft mit einem Messbecher, durch ein Taschentuch gefiltert - ich sollte mich noch daran gewöhnen und ein XT-Motor ist zum Glück nicht so wählerisch.

Gondar hat die richtige Größe, gutes Bergklima und die nötige Infrastruktur für eine Pause von ein paar Tagen. Die XT freut sich über frisches Öl, Luftfilter etc. und www.globebiker.com über die ersten Reiseberichte. In Gondar lerne ich auch den Cape-to-Cairo-Traveller Bruce kennen, der von Südafrika aus kommend ebenfalls mit einer XT600 unterwegs ist. Einen ganzen Abend und einen ganzen Vormittag quatschen wir über unsere Bikes und die Wege, die hinter- bzw. noch vor uns liegen. Monate später übrigens sollten wir uns in Kapstadt wieder treffen.

Auf den Strassen sind auffällig viele Blinde und Halbblinde, Menschen liegen wie Abfall in den Ecken der Strassen, in Lumpen gehüllt, mit schweren Geschwüren, teilweise mehr tot als lebendig und manchmal mit einem Kleinkind im Arm. Das Elend ist unaussprechlich. Dazwischen unzählige YouYous und HeyMisters. Ein 10-jähriger Halbblinder stellt sich sogar als Zuhälter heraus - no thank you!

Im Flachland, nur ein paar Stunden entfernt, liegt der legendäre Tanasee.




Auf einem seiner Inselklöster war lange Zeit die Bundeslade versteckt, sein Wasser speist den Nil und nicht weit von Bahir Dar besuche ich die Fälle des Blauen Nils.

Aber es zieht mich nochmals in die Berge, in die Simien Mountains, die höchsten Nordafrikas! Auf über 3000 m schraubt sich die Schotterpiste, und in jedem Dorf kommen die Kinder angerannt und kreischen ekstatisch "You,you,you,you,you,you,you,you,you!".

Reinstes Kriegsgeheul aus Dutzenden Kinderkehlen, von links, von rechts, von vorne und von hinten! Dolby Surround ist nichts dagegen! So muss es sich angehört haben, wenn die Schoschonen einen Siedlertreck angegriffen haben. In größeren Dörfern scheinen sie von den wenigen Touristen dazugelernt zu haben und gellen ahnungslos und dafür voller inbrünstiger Hingabe "Fuck you!".


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Dass mir ein schlechter Ruf vorauseilt, hätte ich mir zwar nicht gedacht, aber dass mir die Nationalparkverwaltung der Simien Mountains gleich einen bewaffneten Scout mit Kalaschnikow-Maschinenpistole für meinen Trip in die Berge mitgibt, damit hätte ich auch nicht gerechnet.



Aber Abraham ist ein guter Mitfahrer, und da er etwas Englisch spricht, ist es auch unterhaltender als alleine. Bei 3800 m geht dem mit zwei Personen beladenen Motorrad doch irgendwann die Luft aus und bei 4000 m dreht sie nicht einmal mehr im ersten Gang hoch genug.


Von dort geht es eine gute Stunde zu Fuß auf den Bwahit (4400 m), den zweithöchsten Berg des Landes. Der Ausflug ist ein traumhaftes Bergerlebnis, das allerdings aufgrund der schwierigen Strasse mehr eine fahrtechnische als alpine Herausforderung war. 




Nach den einigen tausend Kilometern auf unbefestigten Strassen und Pisten ist einerseits der Hinterreifen schon merklich ramponiert und andererseits mein Schotter- und OffRoad-Bedürfnis vorab ausreichend gestillt.

Doch bevor ich die Strasse nach Süden nehme, biege ich am Tanasee nach Osten und nehme die ultimative Reifenpeinigerstrecke nach Lalibela. In einem Tourist Hotel (Lehmhütte mit Wellblechtür) bekomme ich um 3.50 Euro (Touristenpreis) ein günstiges Zimmer (inklusive Nachttopf unterm Bett) und besichtige die weltberühmten Monolith-Kirchen.

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Diese Gebäude sind in einer unvorstellbaren Bauleistung direkt aus dem Fels gehauen und ganz wichtige religiöse Zentren der äthiopischen Kirche.



Nach gut 6 Wochen Reisezeit regnet es erstmals, zum Glück nur am Abend, und ich genieße es bei einem Glas Honigbier, das wie eine Mischung aus Sturm, Bier und Tee schmeckt.

In Lalibela war ich nach zwei Fahrten durch den Ort bekannt wie ein bunter Hund. Motorräder sind sehr selten hier. Ein letztes Mal geht die Fahrt durch die wunderschönen Highlands.

Während der Fahrt attackiert mich plötzlich ein Hund. Zum Glück ist er zu langsam und statt der Vibramsohle meines Bergstiefels bekommt er nur eine Ladung Staub und Abgase ab.

Auf der Bergstrecke kommt es auch zum großen 1:0 fürs Motorrad. Zwei LKWs haben sich verkeilt und kein Auto kommt vorbei. Dutzende Busse und LKWs müssen (wahrscheinlich über Nacht) beiderseits auf bessere Zeiten warten. Ganz ehrlich, es war schon ein gutes Gefühl, schlank und souverän an der Blockade vorbeizufahren.



Ich umfahre Addis Abbeba großräumig. Nicht nur, dass ich Städte an sich nicht so anziehend finde, sondern auch wegen der unsicheren politischen Lage empfiehlt das Außenministerium zu der Zeit, die Stadt zu meiden. So treibt es mich in die südliche Wüste Danakil. Geier zerfleddern ein totes Zebra am Straßenrand,



und völlig unerwartet kommt das 1:1, der Ausgleichstreffer des Schicksals. "Geh mit Gott, aber geh!" Der Militärposten an der Brücke lässt mich nicht passieren und will auch nicht weiter debattieren. Die Brücke ist einfach für Fußgänger, Fahrradfahrer, Motorräder und Fuhrwerke gesperrt. Grundlos, das ist einfach so und damit basta! Eine Umfahrung dieser Schlüsselstelle hätte 2 Tage gedauert. Meine Halsschlagadern werden so dick wie Hochspannungsleitungen. 20 schwer bewaffnete Soldaten folgen gespannt der Diskussion zwischen mir und dem Offizier. Nicht mal ein "Geschenk" ist unauffällig möglich. Fluchend fahre ich in den nächste Ort und lade das Bike auf einen Toyota Pick Up, der mich und das Bike 2 km nach der Brücke wieder absetzt.

Ich schalte in den Interregionalmodus, passiere den Geburtsort Bob Marleys und fahre durch vielfältige Landschaftsformen im nördlichen Teil des Ostafrikanischen Grabenbruches. Lange Täler mit Wiesen und Feldern wechseln zu dschungelartigem Hügelland mit gewundenen Strassen, dichter Besiedlung und unendlich viel Grün in allen Schattierungen. Kühe, Strohhütten, überall bunt gekleidete Menschen, Kinder, Hunde auf über 100 km. Dann wieder durch endlose Savanne mit roter Sandpiste und orangen Termitenbauten, hinauf auf ein Plateau mit weißer Schotterpiste und satten Nadelwäldern.

Die Grenzstadt Moyale ist gleichzeitig Beginn der verrufenen Moyale-Marsabit-Isiolo Piste, einer 500 km langen und teilweise überaus schlechten Strecke im Norden Kenyas. Noch bevor ich Äthiopien verlasse, während ich durch den Ort rolle, wirft ein offensichtlich schwer geistig Verwirrter mit Ziegelsteinen nach mir. Ein Gasstoß bringt mich aus der Gefahrenzone und ich verlasse eines der schönsten und abenteuerlichsten Länder dieser Reise.


Es ist mir sehr wichtig zu erwähnen, dass die allermeisten Menschen hier überaus freundlich und respektvoll sind. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft sind ständig präsent und die paar unangenehmen Erfahrungen dürfen keinesfalls einen falschen Eindruck erwecken!

KENYA
Kenya empfängt mich mit Linksverkehr, was auf der mehr oder wenigen geraden Piste, die ja kaum Verkehr hat, kaum einen Unterschied macht, da auf Pisten eh jeder fährt, wo es für ihn gerade am besten geht. Ich treffe eine Gruppe Südafrikaner auf ihrer Afrika-Umrundung per Motorrad (?), die sie in nur vier(!) Monaten schaffen wollen. Statt Motorradstiefel tragen sie Trekking-Sandalen, und von Nairobi aus ist einer von ihnen mit einem kaputten BMW-Stoßdämpfer aufgebrochen, im Irrglauben, einen neuen in Addis zu bekommen. Ich wünsche ihnen viel Glück, Glück, das ich an diesem Tag selber habe, noch ohne es zu wissen. Doch vorher heize ich ein bis zwei Stunden mit 80 km/h über die Piste. Schön langsam hab ich den Trick raus. Man muss nur die Unterarme fest wie Schraubstöcke am Lenker und dabei die Schultern locker wie ein Samba-Tänzer haben. Abends darf ich die abvibrierte Tachowelle wieder anschließen, abvibrierte Schrauben des Motorschutzblechs ersetzen und den Mischmasch aus Zahnpasta, Rasiercreme und juckreizstillender Creme von meinem Equipment putzen - die Verschlusskappen waren eben nicht rüttelfest.

Am gleichen Tag wurde auf eben dieser Strecke ein LKW-Fahrer nicht nur ausgeraubt, sondern zur Sicherheit auch gleich erschossen. (Anm. d. Redaktion: "Willst du das wirklich schreiben? Ich mein ja nur, ... auf Rücksicht auf die Nerven deiner Mutter.") Das erfahre ich am nächsten Morgen von einem UNO-Mitarbeiter. Ich gönne mir und meinem Schutzengel einen starken Schluck Kaffee und fahre weiter. Unterwegs nehme ich meinen ersten und einzigen Anhalter auf dieser Reise mit – einen waschechten Samburu-Krieger inklusive Speer und Zipfelohren! Noch ein paar Wochen vorher hatte ich mit Gerdi "Die weiße Massai" im Kino gesehen und heute sitzt so ein Typ hinten am Motorrad und hat die Gaudi seines Lebens.


Äquator
"Pos.: 00 Grad 00,000 Minuten" Das GPS kann sich nicht entscheiden, ob nördlicher oder südlicher Breite. Für die XT ist es jedenfalls die Äquatortaufe (sofern sie nicht per Seefracht vom Werk in Japan nach Europa gebracht wurde).
 


Seit Wochen zum ersten Mal ein richtiger Supermarkt. Die Preise sind hier in Shilling angeschrieben, was mich zugegebenermaßen nach der Euro-Umstellung in Österreich wieder etwas durcheinander bringt. Eine Tankstelle akzeptiert sogar Kreditkarte und nach kyrillisch, arabisch und amharisch endlich wieder "normale" Schrift und fast jeder kann Englisch!
Der Linksverkehr ist, speziell bei der Kurventechnik am Motorrad, mit Vorsicht anzugehen. Da ist die kurvige Bergstrasse östlich des Mt. Kenya genau richtig zum Eingewöhnen. Kleine Sonderprüfung ist der Gegenverkehr, der bei den vielen Schlaglöchern bei Bedarf schon mal die Fahrbahnseite wechselt und auf der falschen Seite entgegenkommt. Nachdem ich ja (innerlich) glaube, links auf der falschen Seite zu fahren, kommen sie aus meiner Sicht auf der richtigen, und ich fühle mich, fälschlicherweise bestätigt, auf der falschen Seite zu fahren.

Nairobi ist eine übersichtliche und, bis auf die Slums, durchaus aufgeräumte und moderne Stadt. Ich schlage mein Zelt in der wunderschönen und familiären Jungle-Junction auf und verbringe ein paar Tage im Luxus der Großstadt.

Die XT bekommt einen großen Service und einen neuen gebrauchten Hinterreifen. Eines Abends ist Jan, ein Wegbegleiter aus dem Sudan, in der Jungle-Junction. Er hatte einen Sturz auf der Isiolo Piste und verbringt in Folge ein paar Wochen hier.



Mount Kenia
Wie oft werde ich die Gelegenheit haben, noch einmal hier zu sein? Soll ich oder soll ich nicht? Wie mache ich es am besten, wie am günstigsten? Eine alte Idee wird langsam aber sicher aktuell, und nach etwas Recherche und Vorarbeit breche ich morgens nach Neru Moru am westlichen Ausläufer des Mt. Kenya auf und treffe dort Jimmy, meinen Bergführer für die nächsten fünf Tage.

Da ich einiges an Hintergrundwissen über die Gehälter und Parkgebühren gesammelt habe, kann ich ihn schnell dazu bringen, von seinen Wünschen abzusehen und mein (Gegen)Angebot als attraktiv zu betrachten. Gemeinsam kaufen wir Vorräte, Kerosin für den Kocher etc. und spazieren am nächsten Tag durch den Dschungel auf die 3000 m hoch gelegene Wetterstation.



Mit dabei Träger Gerald, der unterwegs von einem Jeep mitgenommen wird und uns mit heißen Nudeln, Avocado, Creme Sandwich und Tee empfängt. Kein schlechter Einstieg!


Auf der Wetterstation ergattere ich einen Blick auf das Min/Max-Thermometer: minus 6 Grad in der Vornacht. Ich übernachte ja im Zelt und überlege mit flauem Gefühl, wie das wohl im höchsten Camp, auf 4700 m sein wird. Doch es sollte anders kommen.


Abends stehen heiße Töpfe mit Reis, Kraut, Erbsen, Zucchini, Erdäpfel und Rindfleisch vor mir. Melone, Passionsfrucht und Banane zum Nachtisch. Jimmy und Gerald kochen auf, dass es eine Freude ist! "I want to see all pots empty and your belly hanging out!"

Jimmys Tonfall ist unmissverständlich wie der eines Bergführers, der in einer Gefahrensituation seinen Gästen überlebensnotwendige Instruktionen gibt. Jetzt bloß keinen Fehler machen! Man sollte vielleicht erwähnen, dass sie von österreichischen Bergprofis ausgebildet wurden und je mehr am Anfang gefuttert wird, desto weniger müssen sie nachher tragen. Abgesehen davon vergeht einem in der Höhe der Appetit und Reserven sollten rechtzeitig angelegt sein.

2. Tag:
Die beiden zaubern Palatschinken zum Frühstück und freuen sich wie die kleinen Kinder über meinen Appetit! Das ist eben nicht Bergsteigen, wie ich es kenne. Gut sechs Stunden steigen wir durch mooriges Hochland mit hohen Gräsern und seltsamen Blumen. Viel Nebel, bis es abends endlich aufreißt und den Blick auf den prächtigen Mt. Kenya freigibt.







Auf 4200 m sind wir im sog. MacKinders Camp. Die folgende Nacht ist ein einziger Erstickungsanfall. Jedes Mal, wenn die Atmung schlafbedingt flacher wird, wachst du auf, weil du glaubst, jemand drückt dir den Polster aufs Gesicht. Das ist absolut grässlich. Mein Körper ist trotz vieler Touren in den Alpen für größere Höhen einfach nicht so gut geeignet.

Draußen hat es minus 16 Grad und morgens erkläre ich Jimmy, dass ich ernsthafte gesundheitliche Bedenken wegen einer Nacht beim Austrian Hut auf 4700 m habe und stattdessen die Flucht nach vorne vorschlage.

3. Tag:
In der Vornacht war genug Zeit, um ausführlich darüber nachzudenken, und morgens stimmt Jimmy dem Plan zu. Wir legen Tag 3 und 4 zusammen, steigen über den Gipfel (rund 5000 m) und anschließend auf der Ostseite des Berges zum Chogoria Gate auf 3000 m ab.



Eine durchaus strenge Etappe und abends bin ich erledigt wie lange nicht mehr. Grandios war das Gefühl, am Gipfel anzukommen und bei dem spektakulär schönen Abstieg fühlt man sich so unendlich befreit!



4. Tag:

Vor dem Mittagessen marschieren wir durch meterhohe Bambuswälder noch schnell die 30 km nach Chogoria (wie leicht sich das schreibt) und tingeln mit Sammeltaxis (Matatus) zurück auf die Westseite dieses wunderschönen, faszinierenden Berges. Es war sicher eines der großartigsten Bergerlebnisse.

Nairobi ruft mich wieder und ein paar Tage chille ich im Garten der Jungle-Junction, lese und plaudere mit anderen Overlandern. Ursprünglich hätte ich ja gedacht, Kampala, Uganda, erreicht man in einem Tag. Doch die afrikanische Straßenrealität belehrt mich eines Besseren.

UGANDA, Kampala
Nach sechs anstrengenden Stunden erreiche ich auf halbem Weg gerade den riesigen Victoria See. Der Asphalt ist teilweise so schlecht, dass ich stehend fahren muss. Und dann treffe ich einen alten Bekannten, den ich vor fast zwei Monaten zum ersten Mal gesehen habe: den Nil! Hier ist sein Ursprung. Weit über 10.000 km bin ich schon in Afrika unterwegs, im Wesentlichen von Norden nach Süden. Hier, die Mündung am Victoria See, wird als seine Quelle bezeichnet.



Die Rückfahrt führt entlang der wilden Nordseite des Mt. Elgon, eines Vulkans. Nahe der 100 m hohen Sipi Fälle übernachte ich und genieße das Naturschauspiel. Eine Gruppe Schwarzer biegt sich vor Lachen, als ich ihnen nachmache, wie grantig die Wiener frühmorgens in der U-Bahn dreinschauen. Sie haben es mir einfach nicht geglaubt! Auf einer Alm liegt der Grenzübergang zurück nach Kenya, den ich auf einem holprigen Fahrweg erreiche.

KENYA
In Kenya dürfte die Polizei einen Trucker erschossen haben, was seine Kollegen veranlasst hat, einen strategisch wichtigen Pass mit Hunderten von LKWs für mehrere Tage zu blockieren. Klar, dass der auf meiner Route liegt, und ich muss meinen stampfenden Einzylinder über enge Trampelpfade und durch Straßengräben steuern, um nach 10 harten Stunden rechtzeitig zum BBQ in Nairobi zu sein.

Die ganze Aktion hat dem Trägersystem für die Aluboxen etwas zugesetzt, und bevor ich Nairobi Richtung Mombasa verlasse, wird noch einmal heftig geschweißt. 8 Stunden südöstlich von Nairobi liegt Mombasa am Indischen Ozean. Eine andere Welt.



Warm, weißer Strand, hohe Palmen, eine romantische Lodge - genau der richtige Platz, um auf meine Lebensgefährtin Gerdi zu warten. Am 17. Dezember ist es so weit - ich hole sie frühmorgens mit dem Motorrad vom Flughafen Mombasa ab! Viele tausend Kilometer Abenteuer Afrika liegen vor uns! Doch vorher machen wir Urlaub am paradiesischen Strand von Tiwi-Beach!


 

 

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3. Reisebericht: Aethiopien-Mombasa | 07.11-12.12.2005 | Wolfgang Niescher | www.globebiker.com–-–>> zum 4. Reisebericht

1. Reisebericht: Wien-Kairo. 5500 km, 04.-20.10.2005 | Wolfgang Niescher | www.globebiker.com–––––––-<< zurück zur Afrikareise